Gelebte Nächstenliebe

„Wir sind doch für alle da. Die sind doch alle mit uns auf der Welt. Es ist doch wichtig, ihre Stimme zu hören. Eine Stimme, die sonst vielleicht niemand hört.“ Das Interview mit Marina läuft erst wenige Sekunden. Doch schon spürt man ihre Freude, anderen Menschen helfen zu können. Marina arbeitet erst seit einigen Wochen bei uns. Sie unterstützt uns in der Sozialberatung. Sie ist für die Leute in der Warteschlange da. Und sie kommt schnell mit ihnen ins Gespräch. Mit ihrer inneren Ruhe schafft sie es problemlos, zu den Gästen Vertrauen aufzubauen.

Marina wuchs in Indien auf und arbeitete bereits als Schülerin in den Ferien freiwillig bei Mutter Theresa. Bettenmachen, Deckenwaschen, Bodenwischen, für Sauberkeit sorgen und Essen ausgeben – das war damals ihr tägliches Programm.

Und heute? Als Corona kam, war ihr schnell klar: „Jetzt helfe ich. Genau jetzt, wo alle anderen Angst haben. Denn viele Obdachlose und Bedürftige machen sich genau jetzt Gedanken. Wahrscheinlich sogar mehr als manch anderer...“ Kaum hat Marina dies ausgesprochen, landet im Brunnen des Klosterhofs ein Spatz, um ein Bad zu nehmen. „Schau, der Franziskustreff ist wirklich für alle da.“ Alles gesagt – und mit einem Lächeln beobachtet sie den kleinen Vogel bei seiner Erfrischung.