Verdeckte Obdachlosigkeit

Antonino (Name wurde geändert) war schon im vergangenen Jahr gelegentlich zu Gast im Franziskustreff. Dann hat man ihn länger nicht gesehen. Eines Morgens ist er wieder im Frühstückstreff. Er hat tiefe Augenränder und bittet um Hilfe. Er spricht kaum deutsch.

Nach einem schweren Herzinfarkt folgten mehrere OPs und anschließend eine Reha-Maßnahme.

In der Zwischenzeit hatte er seinen Job und das daran gebundene möblierte Zimmer verloren.

Er wohnt jetzt bei seinem Sohn, der Schwiegertochter und dem kleinen Enkelkind. Der Sohn wusste erst nicht, wie er es seinem Vater sagen sollte, aber sein Mietverhältnis war in Gefahr. Der Vater konnte nicht länger bleiben, da die Wohnung nur an maximal drei Personen vermietet werden kann, so der Vermieter.

Erst jetzt wird Antonino deutlich, dass er eigentlich wohnungslos ist. Er weiß nicht, wohin er gehen kann. Draußen schlafen ist keine Option für ihn.

Die Sozialberatung vermittelt Antonino einen Platz in einer Notübernachtung. Bei der Klärung der Kostenübernahme stellt sich heraus, dass Antonino keinen Anspruch auf Sozialleistungen hat. Seit Januar 2017 wird die 5-Jahres-Klausel angewandt: nur wer gearbeitet hat und sich nachweislich 5 Jahre in Deutschland aufhält, hat Leistungsanspruch. Es fehlt ihm knapp ein Jahr. Er muss die Notunterkunft sofort verlassen … und ist jetzt obdachlos auf der Straße.

Er will noch einmal beim Sohn anfragen, wenigstens für ein paar Nächte. Bei dem abschließenden Gespräch ist Antonino sicher, dass er einen Job finden wird, denn er weiß jetzt: nur so ist sein Problem zu lösen, wenn er in Deutschland bleiben will.