Gedenken an Franziskustreff-Gründer Bruder Wendelin Gerigk
Am 20. Oktober hätte Bruder Wendelin Gerigk seinen Namenstag gefeiert. Auch in diesem Jahr erinnerte ein Foto und eine brennende Kerze im Frühstücksraum an den Gründer des Franziskustreffs, der im Jahr 2010 verstorben ist. Dieses Gedenken ist für das Team und die obdachlosen und armen Gäste mehr als eine Tradition. Es ist ein Moment der Dankbarkeit und der bewussten Erinnerung an einen Menschen, dessen Haltung die rein spendenfinanzierte Hilfseinrichtung bis heute prägt.
Bruder Wendelin lebte die franziskanischen Werte mit großer Überzeugung und Herzlichkeit. Sein Menschenbild war klar: Jeder Mensch besitzt die gleiche Würde und ist willkommen, genauso wie er oder sie ist. Herkunft, Hautfarbe, sexuelle Orientierung, religiöse Überzeugungen oder die persönliche Lebensgeschichte waren für ihn nie ausschlaggebend für Begegnung auf Augenhöhe oder Hilfsbereitschaft. Entscheidend war allein der Mensch, der einem gegenübersteht, mit seinen Sorgen, Hoffnungen und Bedürfnissen.
Gerade heute ist die Bewahrung dieser Haltung wichtiger denn je. In einer Zeit, in der Unterschiede zwischen Menschen wieder stärker betont werden als das Verbindende und Vielfalt zunehmend als trennender Faktor dargestellt wird, erinnern wir uns bewusst an Bruder Wendelins Überzeugung: Menschlichkeit entsteht dort, wo Menschen einander mit Respekt, Offenheit und Wertschätzung begegnen.
Sein Vermächtnis lebt in dem Gedanken weiter, dass niemand ausgeschlossen werden darf und jede und jeder seinen Platz in der Gemeinschaft verdient. Daran erinnert der Franziskustreff an Wendelins Namenstag – und an jedem Tag. Damit diese Haltung bleibt, tragen wir sie weiter als einen wichtigen Kompass für das tägliche Miteinander: Im Frühstücksraum, der Sozialberatung und der Praxis für Wohnsitzlose sowie den Tochterunternehmen der Stiftung.
DU bist gut genug
Bruder Wendelin lag es immer auch sehr am Herzen, dass Menschen niemals auf ihr Schicksal reduziert werden. Denn ein Mensch ist nicht weniger wert, weil er arm ist, keine Wohnung hat oder auf Unterstützung angewiesen ist. Oft liegen die Ursachen individueller Not auch in gesellschaftlichen und strukturellen Umständen, die Menschen aus der Bahn werfen können. Und das kann jeden treffen. Was jeden Menschen ausmacht, ist nicht seine Notlage, sondern seine unverlierbare Würde.
Deshalb steht die Tür des Franziskustreffs offen. Hier finden Menschen ein offenes Ohr, einen geschützten Ort und konkrete Hilfe. Niemand muss seinen Weg allein gehen. Die Haupt- und Ehrenamtlichen sind so lange an der Seite der Menschen, wie sie Unterstützung möchten und benötigen – auf den ersten schwierigen Schritten ebenso wie auf dem Weg zurück in ein selbstbestimmtes Leben. Und wenn jemand wieder Kraft geschöpft hat und den Weg allein weitergehen kann, dann bleibt die Gewissheit: Es war jemand da, der an ihn geglaubt hat. Genau das ist es, was Bruder Wendelin hinterlassen hat – die Überzeugung, dass jeder Mensch zählt und niemand verloren gehen darf.
Miteinander gelingt‘s
Wir freuen uns über alle, die diese Haltung auch im Alltag lebendig halten und sich für ein friedvolles Miteinander einsetzen: Im Annehmen der Unterschiede und der Betonung dessen, was verbindet. Bruder Wendelins Beispiel folgend und gemeinsam mit dem Franziskustreff die Botschaft weitertragend, dass jede und jeder die gleiche Würde besitzt.
Hier – mitten in Frankfurt – begegnen sich Menschen mit ganz unterschiedlichen Biografien, Lebenssituationen, Überzeugungen und Erfahrungen. Hier erleben wir als Bereicherung, was oft auf den ersten Blick trennt. Weil Menschen einander auf Augenhöhe und mit Respekt begegnen entstehen nicht trotz aller Unterschiede, sondern oft gerade wegen dieser Vielfalt Verständnis, Solidarität und Gemeinschaft.
Bruder Wendelins Vermächtnis ist deshalb aktueller denn je: Menschlichkeit wächst dort, wo niemand ausgegrenzt wird, wo Menschen füreinander einstehen und wo Würde nicht von Lebensleistung, Herkunft oder Besitz abhängig gemacht wird. Diesen Gedanken wollen wir weitertragen. Gemeinsam mit unseren Gästen, Mitarbeitenden, Ehrenamtlichen, Fördernden und allen, die daran glauben, dass eine offene und solidarische Gesellschaft möglich ist. Denn die Erfahrung des Franziskustreffs zeigt jeden Tag aufs Neue: Wo Menschen einander mit Respekt, Wertschätzung und Offenheit begegnen, kann aus Verschiedenheit Verbundenheit werden. Und genau darin liegt die Kraft von Bruder Wendelins Botschaft.
Herzliche Grüße,
Ihr Franziskustreff-Team
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