Bruder Michael Masseo Maldacker darüber, was ihn antreibt und seine neue Aufgabe als Leiter des Hilfsangebots für obdachlose und arme Menschen
Der heilige Franziskus küsst den Leprakranken. Alle anderen haben Angst, sich zu infizieren. Lepra gilt als unheilbar, die Gesellschaft duckt sich vor den Leprakranken weg. Franziskus von Assisi hat in dieser Zeit seine Umkehrmomente. Vom Lebemann und Genusssüchtigen zur selbstlosen Nachfolge Jesu Christi. Franziskus küsst den Aussätzigen, er zeigt dem Ausgegrenzten seine Liebe.
Diese Szene in Assisi soll sich im Jahr 1205 zugetragen haben. Franziskus stellt sich die Frage, was hätte Jesus Christus in dieser Situation getan. Danach handelt er. „Ich als Kapuziner möchte beiden nachfolgen, das ist untrennbar: Jesus Christus und dem heiligen Franziskus.“ sagt Bruder Michael Masseo Maldacker. Der Kapuziner hat im Januar seinen Dienst als Leiter des Franziskustreffs angetreten. In Nachfolge von Bruder Michael Wies, der in franziskanischer Tradition von seinem Orden weiterentsendet wurde. Eine solche Entsendung gehört zur DNA franziskanischer Gemeinschaften. Sie hilft, frische Ideen und Inspirationen im Umlauf zu halten.
Bruder Michael Masseo hatte sich bis Ende vergangenen Jahres in Salzburg in einer großen Unterkunft des Roten Kreuzes um Geflüchtete gekümmert, vorwiegend aus Syrien, Somalia, Afghanistan, Tschetschenien. Ein Bewohner der Unterkunft dort gab ihm zum Abschied voller Dankbarkeit Folgendes mit auf den Weg: „Hier erleben wir, dass es doch noch Menschlichkeit gibt.“ Bruder Michael Masseo hat dort zwei Jahre lang als Sozialbetreuer gearbeitet. „Meine Schützlinge kommen aus Kriegsgebieten, wo sie alles verloren haben, wo Verzweiflung herrscht und wo viele nach den leidvollen Erfahrungen schon nicht mehr an Gott glauben, wie mir dieser Bewohner auch erzählte. Ihm wird hier das Zeichen gegeben, ihr Geflüchteten seid hier nicht allein gelassen! Und das zu hören, freut mich sehr.“ so der Ordensmann.
Von Salzburg nach Frankfurt am Main
Menschlichkeit findet man auch im ‚Franziskustreff‘ in der Frankfurter Innenstadt. Die Warteschlange vor der Tür ist meist schon lang, wenn um 7:45 Uhr die Tür aufgesperrt wird. Besonders bei den eisigen Temperaturen dieser Jahreszeit. 60 Ehrenamtliche verteilen sich auf die Schichten. Sie bekommen kein Geld für ihren Einsatz, helfen unverzweckt. Ohne sie würde nichts gehen in der Frühstücksstube in der Frankfurter City, die Bruder Michael Maldacker seit Jahresbeginn leitet. „Bis zu 200 wohnungslosen und bedürftigen Menschen jeden Tag eine Mahlzeit geben. Bis zu 200-mal Salz der Erde und Licht der Welt sein“, beruft sich Bruder Michael Masseo auf die Bergpredigt Jesu Christi. Auf seine neuen Aufgaben im Franziskustreff für Menschen, die von Obdachlosigkeit und Armut betroffen sind, freut sich Bruder Michael. „Und ich weiß, dass ich mich auf das engagierte Team voll verlassen kann“, sagt der Kapuziner.
Angekommen auf dem Weg
Die ersten spannenden Wochen liegen nun bereits hinter Bruder Michael Masseo Maldacker. Dabei boten sich dem neuen Leiter des Franziskustreffs viele Einblicke in die Organisation des rein spendenfinanzierten Hilfsangebots für von Obdachlosigkeit und Armut betroffene Menschen:
Wer sind die Menschen, die hier an der Liebfrauenkirche Hilfe finden?
Was motiviert die, die morgens schon ganz früh die Tische decken, das Brot mit dem Handwagen vom Bäcker holen und den Kaffee kochen?
Welche Aufgaben stehen an? Und wie läuft die all morgendliche Verteilung:
• Wer ist im Service und bedient die Gäste am Platz?
• Wer spült?
• Wer macht heute den Fitnessteller mit frischen Gemüse und Müsli? Und wer belegt Käse-, Wurst- und gemischten Teller?
• Was muss noch an Snacks eingekauft werden für das Begegnungscafé ReBeCa mittwochnachmittags?
• Wann ist die Sozialberatung geöffnet?
• Wie bekommt man einen Termin bei der Praxis für Wohnsitzlose?
und vieles mehr.
Zwischen Dienstplan, Teambesprechung, Spendenannahme während des laufenden Betriebs, Presseinterview und Führung mit Schulkindern oder gemeinsame Angebote für Mitmenschen in Not mit Partnern aus der Wohnungslosenhilfe wird deutlich: Ob in Hauswirtschaft, Sozialberatung, Praxis für Wohnsitzlose oder in der Stiftung. „Da gehen die Aufgaben niemals aus“, weiß Bruder Michael Masseo.
Und keiner schafft das ganz allein.
Es braucht die vielen Hände und Herzen aller Mitarbeitenden, die mit Hingabe und ihren Talenten haupt- und ehrenamtlich ihr Bestes geben. Beauftragt von den Wohltäterinnen und Wohltätern durch deren Spenden, hilft das Team im Franziskustreff Menschen, denen es nicht so gut geht.
Und freut sich über jeden, der dazu kommt:
„Herzlich willkommen, lieber Bruder Michael Masseo im Team des Franziskustreffs und seiner Stiftung! Schön, dass du an unserer Seite bist.“