Jeder weitere Tag ist ein Grund zur Freude

01.01.2026
Mit Freude dabei: Bruder Michael Masseo Maldacker der neue Leiter des Franziskustreffs und Ehrenamtliche Karla beim „Schnupperdienst“ des Kapuziners anlässlich des 33. Geburtstages der Hilfseinrichtung am 24.11.2025
Bruder Michael Wies freut sich, dass mit Bruder Michael Masseo Maldacker wieder ein Kapuziner die Leitung des Franziskustreffs übernimmt.

Was dieses Lachen mit dem vergangenen Jahr und den Gästen des Franziskustreffs zu tun hat.

Für die Menschen, die sich morgens vor dem Franziskustreff einfinden, sind freudige Momente selten geworden und darum besonders kostbar. Das Frühstück ist für viele so ein wichtiger und freudiger Moment am Tag. Werktags und an allen christlichen Feiertagen öffnet sich für die obdachlosen und in Armut lebenden Menschen pünktlich um 7:45 Uhr die Tür zum Gastraum. Die ersten warten bereits geduldig. In den kalten Monaten ist es anfangs still. Ein Nicken hier, ein Nicken dort. Ruhige Begrüßungen. Hände umklammern die wärmenden Tassen mit Kaffee oder Tee. In dieser Stille werden Obdachlosigkeit und Armut deutlich spürbar. Bevor man das Frühstück überhaupt genießen kann, heißt es: Wärme tanken. Äußerlich, aber auch innerlich.

Kleine Momente der Freude

Dann lässt die Anspannung der Nacht nach. Gemeinsame Gespräche und Lacher erfüllen den Raum. Den Frühstückstreff neben der Liebfrauenkirche als einen verlässlichen Zufluchtsort zu wissen. Sich als Mensch gesehen fühlen, jenseits von Obdachlosigkeit und Bedürftigkeit. Wie Gäste behandelt zu werden und ganz selbstverständlich ein Frühstück nach Wunsch serviert bekommen. Das sind kleine Momente der Freude.

So meint auch die Frage „Wie geht es Ihnen?“ im Franziskustreff viel mehr als den Hunger. Denn die Gäste finden direkt neben dem Frühstücksraum auch die Möglichkeit, sich in der Sozialberatung helfen zu lassen. Seit einem Jahr bietet zudem die Praxis für Wohnsitzlose Hilfe bei psychischen Erkrankungen an. Freude spüren und Gemeinschaft erleben können die Gäste auch Mittwochnachmittags. Regelmäßig. Bei Vorträgen, bei Ausflügen oder beim Sport im Rahmen des Begegnungscafés ReBeCa. Freude und Teilhabe gehören zum Leben dazu. Auch zu einem Leben ohne Dach über dem Kopf, ohne Arbeit oder in Armut.

Seit Bruder Wendelin 1992 den Gastraum eröffnete, ermöglichen Jahr um Jahr zahlreiche Wohltäterinnen und Wohltäter und mittlerweile über 60 Ehrenamtliche dieses Hilfsangebot und spendeten damit auch Zuversicht.

2025 zeigen die Zahlen weiterhin deutlich die Notwendigkeit des Angebots: So besuchten an einem Morgen im Durchschnitt 180 Gäste den Franziskustreff. Das macht 34 Brote, ca. 440 Tassen Kaffee sowie ca. 100 Stück Kuchen. Über das Jahr gezählt klapperten über 43.000 Teller auf den Tischen. Nach jedem Frühstück ließen sich im Schnitt 10-12 Gäste in der Sozialberatung helfen und der Praxis für Wohnungslose haben sich mittlerweile 199 Patienten anvertraut.

Zurück ins Leben begleiten

Kein Job, keine Wohnung, keine Wohnung, kein Job: Ein Teufelskreis, der nicht zum Lachen ist. Beim Frühstück und der Sozialarbeiterin erzählen die Gäste immer wieder, welch große Hürden ihnen den Weg zurück in ein geregeltes Leben erschweren. Das Team im Franziskustreff möchte mehr tun. Den Menschen über Gastraum und Sozialberatung hinaus weiterhelfen. Einen möglichen Weg aus der Obdachlosigkeit bietet seit April 2024 die Franziska-Werkstatt. Die von der Franziskustreff-Stiftung gegründete Kerzenmanufaktur begleitet Menschen zurück ins Arbeitsleben. Die hier produzierten Kerzen wurden 2025 erstmals sogar am eigenen Stand auf dem Frankfurter Weihnachtsmarkt verkauft. Mithilfe des Programms haben inzwischen 3 Teilnehmende wieder einen Arbeitsvertrag auf dem sogenannten 1. Arbeitsmarkt erhalten. 15 der 16 Arbeitsplätze sind derzeit vergeben. Und die Warteliste ist lang. So werden weiterhin Patinnen und Paten gesucht, die helfen diese und weitere Arbeitsplätze der rein spendenfinanzierten Franziska-Werkstatt zu finanzieren.

Über das Housing-First-Projekt der Franziskustreff-Stiftung, die Main-Weg gGmbh, haben mittlerweile 20 Menschen den Weg aus der Obdachlosigkeit geschafft. Zu einem Wohnungsschlüssel und einem eigenen Mietvertrag. Auch dieses Projekt läuft weiter und wartet konkret auf weitere Wohnungen.

Ein Michael geht

Auch wenn die Zahlen zeigen, dass Angebote wie dieses immer mehr gebraucht werden, so sind sie auch Zeugnis für Vertrauen. Vertrauen der Gäste in den Franziskustreff. Und Vertrauen in die dort geleistete Arbeit seitens der Menschen, die spenden: Undenkbar ohne die Arbeit von Bruder Michael Wies. Nach über 10 Jahren Wirken in der Frankfurter Stadtgesellschaft verlässt er die Mainmetropole. Der Provinzial der Deutschen Kapuzinerprovinz entsendet ihn nach Altötting. Dort erwarten ihn neue Aufgaben im sozialen Bereich. Eine solche Entsendung gehört zur DNA franziskanischer Gemeinschaften. Sie hilft, frische Ideen und Inspirationen im Umlauf zu halten. „In Treue zu unserem Ordensgründer bleiben wir beweglich – das betrifft Orte, aber auch unsere Haltung.“, so Bruder Helmut Rakowski, Provinzial der Deutschen Kapuzinerprovinz. 

Zum 10-jährigen Jubiläum und Abschied gab es für den davonziehenden Bruder eine Feierstunde in der Liebfrauenkirche. Dem umfangreichen Dank und besten Wünschen schließt sich das ganze Team im Franziskustreff von Herzen an.

Ein Michael kommt

Ab Januar 2026 öffnet ein neuer Mann morgens die Tür. Doch für die Gäste des Franziskustreff wird sich in Zukunft nichts ändern. Nicht einmal der Name. Auf Bruder Michael Wies folgt Bruder Michael Masseo Maldacker. Im Herbst 2024 legte er in Salzburg seine ewigen Gelübde als Kapuziner ab. Er bezeichnet sich selbst als „Späthörenden“ und fand erst 2019 den Weg in den Orden. Vom Kapuzinerberg im Kloster Salzburg führt ihn sein Weg nun direkt an die Tür in Liebfrauen. „Als Kapuziner stehe ich bei den Ausgegrenzten der Gesellschaft. Und da bin ich richtig.“ Mit diesem Verständnis heißt ihn das ganze Team herzlich willkommen - und ist er in Frankfurt im wahrsten Sinne des Wortes genau richtig. 

Ein Blick zurück nach vorn

So wie die Angebote der Franziskustreff-Stiftung im Jahr 2025 wirkten: Lächeln und Freude schenkten. Sicherheit, Normalität und Perspektive spendeten. So soll es weitergehen.

Denn jeder weitere Tag, an dem Menschen in Not an der Liebfrauenkirche Hilfe finden können, ist ein Tag der Freude.

Mit jeder Spende bleibt der Franziskustreff auch 2026 ein sicherer Ort, an dem Menschen zusammenkommen - von Obdachlosigkeit und Armut Betroffene und jene, die sie unterstützen.

Ein wunderbares neues Jahr für Sie!

Ihr Franziskustreff-Team