Mit dem Hilfsangebot ist auch der Kreis derer, die helfen gewachsen und vielfältiger geworden
Um Menschen in Not zu dienen, entsagte Franziskus all seinem Besitz. Er schenkte seine Kraft kranken, obdachlosen, armen, behinderten und straffällig gewordenen Menschen. Und Frauen, die sich und ihre Kinder allein durchbringen mussten. Der Gedanke dahinter: selbst so arm sein wie Jesus und dabei genauso fürsorglich und hilfreich handeln. Seine Taten führten zur Entstehung franziskanischer Orden – so auch des Ordens der Kapuziner. Und einer von ihnen war Bruder Wendelin Gerigk (†2010). Für den Kapuziner war Franziskus „ein Beispiel, einfach ein Vorbild.“ Er sagte einmal selbst darüber, warum er den Frühstückstreff gegründet und ihn nach Franziskus benannt hat: „[…] Auch wie er diesen Aussätzigen einfach umarmt und dann wusste, wie sein Weg weitergeht. Und ich kann sagen – ich habe jetzt fast 50 Ordensjahre – manchmal ist es so im Alter, da erlebt man noch mal ein Stück Höhepunkt. Und den erleb‘ ich hier.“
Wendelin eröffnete 1992 den Franziskustreff, um den harten Alltag auf der Straße für obdachlose Menschen zu lindern. Wenigstens regelmäßig frühstücken sollten sie können. Wendelin, selbst ohne Besitz, verwirklichte sein Ziel mit nur 1.500 DM vom Orden, einem alten Auto und ein paar Freiwilligen. Stets seinem Motto „Wenn Gott uns die Armen schickt, sorgt er auch für sie.“ folgend, gewann er die Hilfe der Frankfurter Stadtgesellschaft.
Und bis heute erhalten im Franziskustreff von Obdachlosigkeit und Armut betroffene Mitmenschen ein reichhaltiges Frühstück. Dazu schuf das Team in den Jahren seit der Gründung weitere ergänzende Angebote. Die Sozialberatung hilft bei alltäglichen Problemen mit Ämtern, Krankenkasse oder auch der Wohnungssuche. In der Praxis für Wohnsitzlose erhalten die Gäste niedrigschwellig nervenärztliche Versorgung.
Weil uns mehr eint, als trennt
Die Menschen, die zum Franziskustreff kommen, begegnen sich aus verschiedenen Lebensrealitäten und Gegenden der Welt. Sie alle verbindet dieselbe Not. Die einen, weil sie arm sind. Den meisten davon fehlt sogar ein sicheres Dach über dem Kopf. Und die anderen, weil sie helfen möchten. Etwas abgeben können von ihrer Zeit oder mit einer Spende. Sowohl die Gäste als auch das Team und die Spendenden sind bunt wie das Leben. Über 60 Ehrenamtliche unterstützen die hauptamtlich Mitarbeitenden und teilen sich die Dienste bei Frühstück, Sozialberatung und in der Praxis für Wohnsitzlose. Menschliche Werte wie Solidarität und Nächstenliebe bringen sie am Liebfrauenkloster zusammen. Mit dem Hilfsangebot ist auch das Team gewachsen und vielfältiger geworden. Gemeinsam mit den haupt- und ehrenamtlich Mitarbeitenden lenken dabei weiterhin auch die Kapuziner die Geschicke der spendenfinanzierten Hilfseinrichtung und der gleichnamigen Stiftung: Bruder Michael Masseo Maldacker als Leiter des Franziskustreffs sowie Bruder Bernd Kober und Bruder Paulus Terwitte im Vorstand. Alle zusammen sind nah an den Menschen, die die Straße in ihrer ganzen Härte durchleben.
Hoher Besuch
Bruder Wendelins Werk strahlt weit über Frankfurts Grenzen hinaus. Zuletzt statteten sogar der Ordensoberste Kapuziner der Welt, Roberto Genuin aus Rom, und der Generalrat für die Kapuzinerbrüder in Nord- und Osteuropa, Marek Miszczyński aus Krakau, dem Franziskustreff und seinen Gästen einen Besuch ab. Sie wollten den Ort kennenlernen und selbst sehen, wie hier franziskanische Gastfreundschaft, die alle Menschen in ihrer Vielfalt willkommen heißt, gelebt wird. Wo sich seit über 33 Jahren Menschen in ihrem Menschsein begegnen und annehmen. Die beiden bedienten die Gäste wie gewohnt direkt an den Tischen und mischten sich unter die Gäste. Der Generalminister war zuvor noch nie in Frankfurt gewesen. Er ist der gewählte oberste Diener von 10.000 Kapuzinern zwischen Nordamerika und Australien. Gemeinsam mit dem haupt- und ehrenamtlichen Team des Tages hießen sie am Liebfrauenberg die obdachlosen und armen Menschen zum Frühstück willkommen.
Dank der Spenden der Wohltäterinnen und Wohltäter wird im Franziskustreff Begegnung auf Augenhöhe möglich. Sind Herkunft, Hautfarbe, Religion, Liebes- oder Lebensweise bereichernde Impulse statt trennender Hürden.