Vor 800 Jahren am 3. Oktober starb der heilige Franziskus
Der 3. Oktober eint neben der jüngeren deutsch-deutschen Wiedervereinigung auch viele Menschen im viel älteren bedeutsamen Gedenken von Franz von Assisis Todestag. Denn der heilige Franziskus brachte eine Idee in die Welt, die bis heute lebt: Franziskanische Nächstenliebe. Im 2026 jährt sich sein Transitus* zum 800. Mal. Er lebte nach dem Evangelium, deshalb galt seine Aufmerksamkeit allen Menschen. Ganz besonders denjenigen, die von der Gesellschaft ausgegrenzt wurden: Obdachlose Menschen und solche, die ihre Heimat verloren haben. Die ihre Not zum Äußersten zwingt, um zu überleben. Und die so krank und beeinträchtigt sind, dass die Armut ihr Leben überwältigt hat.
Diese Schicksale treffen Menschen auch heute noch. Die Betroffenen leben mitten zwischen uns, nicht selten auf der Straße. Das war ein Grund, warum der Gründer des Franziskustreffs, Kapuzinerbruder Wendelin Gerigk († 2010), für seine Hilfseinrichtung Franziskus als Namenspatron auswählte. Für den Kapuziner war der heilige Franz von Assisi „ein Beispiel, einfach ein Vorbild.“ So sagte er selbst darüber: „[…] Auch wie er diesen Aussätzigen einfach umarmt und dann wusste, wie sein Weg weitergeht. Und ich kann sagen – ich habe jetzt fast 50 Ordensjahre – manchmal ist es so im Alter, da erlebt man noch mal ein Stück Höhepunkt. Und den erleb‘ ich hier.“
Vielfalt bereichert
Kapuzinerbruder Wendelin folgte Franziskus‘ Beispiel und ging grundsätzlich ohne Furcht und Vorbehalte auf alle Menschen gleichsam zu. Besonders auch auf die, die ausgegrenzt wurden wegen ihrer seelischen und körperlichen Erkrankungen, wegen ihres Aussehens, ihrer Religion oder Lebensweise. „Wenn Gott uns die Armen schickt, dann sorgt er auch für sie.“ war Wendelins Motto.
Danach handelt das Team bis heute: Die Menschen, die zu der Hilfseinrichtung an der Liebfrauenkirche kommen, begegnen sich aus verschiedenen Lebensrealitäten und Gegenden der Welt. Stets auf Augenhöhe, die soziale und kulturelle Grenzen überwindet. Sie alle verbindet dieselbe Not. Die einen, weil sie arm sind. Den meisten davon fehlt sogar ein sicheres Dach über dem Kopf. Und die anderen, weil sie helfen möchten. Etwas abgeben können von ihrer Zeit oder mit einer Spende. Sowohl die Gäste als auch das Team und die Spendenden sind bunt wie das Leben. Menschliche Werte wie Solidarität und Nächstenliebe bringen sie im Herzen Frankfurts zusammen.
Seit der Eröffnung 1992 ist mit dem Hilfsangebot auch das Team gewachsen und vielfältiger geworden. Gemeinsam mit den Kapuzinern lenken die haupt- und mehr als 60 ehrenamtlich Mitarbeitenden die Geschicke des Franziskustreffs und der gleichnamigen Stiftung. Mit der Kraft der Spenden der Wohltäterinnen und Wohltäter können sie nah an den Menschen sein, die die Straße in ihrer ganzen Härte durchleben. So wird im Franziskustreff Begegnung auf Augenhöhe möglich, bei der Herkunft, Hautfarbe, Religion, Liebes- oder Lebensweise bereichernde Impulse statt trennender Hürden sind.
Begegnung statt Feindbilder
Der Heilige Franziskus von Assisi verließ ein privilegiertes Leben, um an der Seite der Menschen am Rand der Gesellschaft zu leben. Er erkannte in jedem Menschen eine unveräußerliche Würde und lebte eine Haltung der Geschwisterlichkeit, bei der er sich nicht von sozialen und kulturellen Unterschieden beeinflussen ließ. Ein Ereignis steht dabei bis heute als Beispiel und Vorbild für die franziskanische Begegnungsweise: Als Franziskus während der Kreuzzüge dem Sultan Al-Kamil begegnete, suchte er nicht voreingenommen die Konfrontation, sondern zugewandt und interessiert das Gespräch. Fest verwurzelt in seinem christlichen Glauben begegnete er Menschen anderer Religionen und Kulturen mit Respekt und Offenheit. Aus dieser Tradition heraus versteht sich auch der Franziskustreff: Franziskanisches Handeln verwirklicht sich hier durch multireligiöse und multikulturelle Mitarbeitende und Unterstützende, die täglich obdachlosen und armen Menschen in eben dieser Vielfalt dienen. Im Mittelpunkt steht dabei der Mensch in seiner Würde und die gemeinsame Verantwortung für alle, die in schwierigen Lebenslagen sind. Im alltäglichen Handeln pflegt das Team stets die Erinnerung an die franziskanischen Wurzeln.
Verbindung statt Abgrenzung
Genauso wie das Team den Gründer Bruder Wendelin an Namens-, Geburts- oder Todestag ehrt, haben sich die Mitarbeitenden auch für Franziskus‘ 800jähriges Jubiläum kleine Besonderheiten überlegt: So lädt der Treff seine Gäste am Montag darauf zum Frühstück ein und der Eigenbeitrag von 50 Cent entfällt. Der Gastraum wird mit Blumen geschmückt und es werden an diesem Tag Kapuzinerbrüder im Treff präsent sein für Begegnungen, Gespräche und das gemeinsame Gedenken an den Heiligen Franziskus.
Und am Mittwochnachmittag im Begegnungscafé ReBeCa begibt sich das Team mit den Gästen auf eine musikalische Spurensuche des hl. Franziskus: Denn dass Musik – so wie Franziskus – auch bindende Kräfte hat, beweist die „Probezeit“. Fred P. Lohr ist Musikpädagoge, Community Musician und Gitarrist und bietet seit 2023 wöchentlich in der Teestube Jona ein inklusives Musikangebot für Menschen in schwierigen Lebenslagen an. Aus dieser Initiative entstand die Musikgruppe „Probezeit“, in der Menschen mit ganz unterschiedlichen Lebensgeschichten gemeinsam musizieren. Was als kleines Angebot begann, hat sich zu einer festen Gemeinschaft entwickelt, die inzwischen auch öffentlich auftritt und vom Kulturamt gefördert wird. Zweimal im Jahr trifft die Probezeit der Teestube Jona auch mit dem Franziskustreff zusammen. Dann musizieren musikalisch interessierte Gäste und Geschäftsführer Thomas Koch an seiner Gitarre mit. Beim nächsten Treffen in der Jubiläumswoche Anfang Oktober soll unter anderem der berühmte Sonnengesang des heiligen Franziskus erklingen, dessen Entstehung sich dann zum 800. Mal jährt. So werden Gemeinschaft, Hoffnung und Dankbarkeit nicht nur thematisiert, sondern unmittelbar erfahrbar.
„Der Herr gab mir Brüder […] und Schwestern“
Gemeinsam mit den Wohltäterinnen und Wohltätern halten die haupt- und über 60 ehrenamtlich Mitarbeitenden verlässlich die Türen auf – zum Frühstücksangebot, der Sozialberatung und der Praxis für Wohnsitzlose. Bauen das Angebot aus und schaffen weitere Hilfen, die sich am Bedarf von Obdachlosigkeit und Armut betroffener Menschen orientieren. Um ihnen ihr hartes Leben etwas erleichtern und sie auf ihren Schritten zurück in die Mitte der Gesellschaft zu begleiten. Auf dass in Zukunft solche Not hoffentlich einmal der Vergangenheit angehört. Und alle Menschen nach ihrer Art, würdig und auskömmlich leben können.
Franziskus zum Vorbild: „Der Herr gab mir Brüder.“ Und sprach nicht von Armen und Reichen, Helfenden und Hilfebedürftigen, sondern von Brüdern und Schwestern."
Denn genau das geschieht immer wieder im Franziskustreff: Wo Nächstenliebe, Menschlichkeit und Solidarität von Mensch zu Mensch gelebt werden – egal an was sie glauben oder woher sie stammen.
Danke, dass Sie mit dem Franziskustreff an der Seite obdachloser und armer Menschen sind.
* Die franziskanische Tradition spricht nicht nur vom Tod des Heiligen, sondern vom„Transitus“, vom Hinübergang zu Gott.