Vor Ort mitbestimmen

09.02.2026
Jede Menge Lesestoff, der zeigt: Es ist einfacher, als gedacht. Auch die Stadt Frankfurt hat einen Informationsflyer erstellt, der über Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe wie den Franziskustreff verteilt wird.
Daphne Lipp, Stiftung Polytechnische Gesellschaft, eröffnete die Veranstaltung, die erstmalig im Gemeindesaal des Liebfrauenklosters stattfand.

Wie die Teilnahme an der Kommunalwahl 2026 für wohnsitzlose Menschen möglich ist

Im Rahmen der Straßen-Uni luden die Katholische Erwachsenenbildung, die Stiftung Polytechnische Gesellschaft und der Franziskustreff gemeinsam zu einer Infoveranstaltung für wohnsitzlose Menschen ein. Der Referent Dr. Christian Stecker, Professor für Politikwissenschaften der TU Darmstadt, informierte darüber, wie Personen ohne festen Wohnsitz an der Kommunalwahl 2026 in Hessen teilnehmen können. In seinem Vortrag erläuterte er verständlich die rechtlichen Voraussetzungen, den Ablauf der Anmeldung sowie die Bedeutung politischer Teilhabe. Auch dabei: Alexander Michel von der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung. Er hatte Informationsbroschüren dabei und Anträge, um sich gleich ins Wählerverzeichnis aufnehmen zu lassen. Denn auch Menschen ohne Wohnsitz haben das Recht am 15. März die Abgeordneten für die Stadtverordnetenversammlung bzw. Gemeindevertretung, den Kreistag oder den Ortsbeirat zu wählen. Dafür müssen sie volljährig, deutscher Staatsangehöriger oder eines europäischen Landes sein und sich seit mindestens sechs Wochen im Wahlgebiet aufhalten.

Wer sich noch bis 22. Februar ins Wählerverzeichnis vor Ort aufnehmen lässt, erhält die Wahlunterlagen per Post.
Dafür müssen der vollständige Name, das Geburtsdatum und eine Adresse angegeben werden. Das kann eine Stadt- oder Gemeindeverwaltung oder auch eine soziale Einrichtung wie der Franziskustreff sein. Der Antrag muss persönlich unterschrieben werden. Wer kein amtliches Dokument wie einen Personalausweis, Pass oder Führerschein vorlegen kann, muss die Richtigkeit seiner Angaben eidesstattlich versichern.

„Die interessieren sich doch sowieso nicht für mich, warum sollte ich wählen gehen?“

Prof. Stecker hob besonders hervor, wie wichtig es ist, dass auch wohnungs- und obdachlose Menschen ihre Stimme abgeben. Kommunalpolitik hat den höchsten Alltagseffekt. Die Städte und Gemeinden entscheiden über viele Dinge, die wohnungslose Menschen betreffen, wie Essens- und Übernachtungsangebote, medizinische Hilfe oder Beratungsangebote.

Darum zähle jede Stimme. Wahlbeteiligung sei ein wichtiger Schritt, um Sichtbarkeit zu schaffen und Einfluss auf kommunale Entwicklungen zu nehmen.

Die Veranstalter zeigten sich sehr erfreut über das Interesse. Und die Teilnehmenden nutzten die Gelegenheit, Fragen zu stellen und sich individuell beraten zu lassen. Die gemeinsame Plattform bot einen wertvollen Raum für Austausch und Aufklärung.

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