Was gibt's denn da zu lachen?

02.03.2026

Im Theater mit den Gästen des Franziskustreffs

Eigentlich beschäftigt Menschen, die auf der Straße leben, gegen 18 Uhr meist eher die Frage, wo sie einen trockenen und sicheren Platz für die Nacht finden. Gerade im Februar. An diesem Dienstagabend jedoch kamen auch einige obdachlose Gäste des Franziskustreffs noch einmal zum Gastraum neben der Liebfrauenkirche. Beim Frühstücksangebot, das sie morgens nutzen, um sich nach einer kalten Nacht aufzuwärmen und zu stärken, hatten sie vom geplanten Theaterausflug am Abend erfahren. Nun warteten auf sie Fundraiserin Simone, der Stellv. Hauswirtschaftsleiter Dariush und Wohltäterberater Rubén, um den Ausflug seitens der Stiftung zu begleiten.

Wegen eines Streiks im öffentlichen Nahverkehr kamen einige der Teilnehmenden den ganzen Weg zum Franziskustreff gelaufen. Bepackt mit ihren Taschen und teilweise durch verschlissene Schuhe oder Krankheit schlecht zu Fuß. Am Treffpunkt vor dem Gastraum fanden sich nach und nach alle ein. Wer wollte, konnte sein Gepäck im Gastraum lagern. Spontan schloss sich ein weiterer Gast an, der auch zufällig am Kirchort vorbeikam. „Ich dachte, das wäre ein Mitmachtheater, sowas ist nichts für mich.“, erklärt er, warum er sich nicht auch hatte auf die Anmeldeliste setzen lassen. Und ein anderer berichtete, wie froh er über diese Gelegenheit sei: „Ich habe schon Rezensionen dazu in der Zeitung gelesen. Aber ich hätte nie gedacht, dass ich selbst die Gelegenheit haben würde, das neueste Stück in ,Der Komödie‘ selbst anzusehen.“

Freudentränen für die „Jugendliebe“

Mal (wieder) ins Theater zu gehen hielten auch andere der obdachlosen und armen Gäste eher für ausgeschlossen. Umso mehr freuten sich alle über die Einladung zu „Jugendliebe“.

Diese hatte ein Frankfurter Unternehmen ausgesprochen und Mitarbeitende beauftragt, den Abend gemeinsam mit dem Franziskustreff für die Gäste zu organisieren und auch selbst zu begleiten. Auf die interessierten Nachfragen der Gäste, warum sie und ihr Arbeitgeber sich so sehr für sie engagierten, antwortete eine Mitarbeiterin so: „Wir haben alles, was wir brauchen, und möchten der Gesellschaft gern etwas zurückgeben. So kam die Idee und wir dachten gleich dabei an den Franziskustreff.“  

Im Theater angekommen, nahm die Ausflugsgruppe erst einmal an den Tischen des hauseigenen Bistros Platz.
Auch hier waren die Gäste eingeladen und suchten sich von der Karte aus, was sie essen und trinken wollten. Von Flammkuchen mit Salat über Hähnchencurry bis zu alkoholfreien Getränken, war alles dabei. In bunt gemischter Runde wurde mit Genuss gegessen und sich unterhalten. Bis der Gong den Beginn der Vorstellung ankündigte.

Gespannt nahmen alle auf den mit Samt bezogenen Sesseln Platz. Jacken und Taschen waren schnell unter die Sitze geschoben. Die Garderobe mochten die Gäste nicht nutzen. Denn sie sind es gewohnt ihren Besitz stehts im Blick zu behalten. Als dann aber das Licht gedimmt wurde und der rote Vorhang den Blick auf die Bühne freigab, verflogen Ängste und Sorgen ihres Alltags für ein paar lustige Stunden. Gut 90 Minuten voller Lachen, Leben und Leichtigkeit. Und jeder Menge Freudentränen.

Alle amüsierten sich sehr. Besonders Herr M.‘s schallendes Gelächter über das lustige Kammerspiel steckte auch noch den Letzten im Saal an. Die Mitarbeitenden des Franziskustreffs und des veranstaltenden Unternehmens sahen mit Freude, wie unbeschwert die Stimmung an diesem Abend war. Besonders, weil die Gäste in ihrer schwierigen Lebenslage sonst nicht viel Grund und Gelegenheit zum Lachen haben. Aber diesen gemeinsamen Theaterbesuch genossen sie sichtlich. „Besser hätte es nicht sein können!“ freuten sie sich, als sie sich in die Nacht verabschiedeten und alle wieder allein ihrer Wege gingen.

Zurück in die Realität von Armut und Straße.

Danke an alle, die diese Pause vom Alltag möglich gemacht haben.
Ihr Franziskustreff-Team

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