Sei mein Licht

Es ist umgekehrt gekommen: G. sitzt im Warmen. Im milden gelben Licht an einem Tisch im Franziskustreff. Ein netter junger Mann hat ihm eben Kaffee eingeschenkt. Mit einem Lächeln. Das ist wie ein Licht. Die kalten Finger tun beinahe weh an der warmen Tasse. Dennoch kann sich G. gar nichts Besseres vorstellen in diesem Moment. Gleich bekommt er sein Frühstück serviert. Heute hat er Appetit auf den gemischten Teller mit reichlich Wurst- und Käsescheiben. Neue Energie, um da draußen die kurzen dunklen Tage und langen frostigen Nächte zu überdauern. Die 50 Cent legt er auf den Tisch. Ein kleiner Beitrag so scheint es, doch für ihn schwer verdient im Schneeregen.

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Dieser Ort ist wie ein Licht

G. trotzt der ewigen Dunkelheit draußen, in diesen letzten Wochen des Jahres. Sie darf ihn nicht überwältigen. Erst recht nicht die Weihnachtsmelancholie. Mit ihren süßen Gefühlen der Kinderzeit: Rentiere, Schneemänner mit Pausbacken, Tannenduft vor den Blumenläden. Überall Lichterketten in den Schaufenstern und dampfenden Maronenständen auf dem Weihnachtsmarkt am Römer. Der Anblick fällt ihm schwer. Er versucht, sich durchzuhangeln, sich oben zu halten. Der wichtigste Teil des Plans: Es jeden Morgen zum Frühstück in den Franziskustreff zu schaffen. Gerade in der Adventszeit verlässt er den warmen Frühstücksraum nicht nur gestärkt. Sondern auch noch etwas froher als sonst. Weil er sich darauf verlassen kann, dass es noch Gutes gibt. Ein bisschen wie mit Familie.

Nicht beachtet, verachtet, unerwünscht: Dieses Gefühl begleitet G. jeden Tag. Er hat kein sicheres Zuhause. Nur einen notdürftigen Schlafplatz nahe der U-Bahn.  Wo genau, das verrät er nicht. Er möchte ihn schützen. Seine „Platte“ möglichst lange für sich behalten. Vielleicht wenigstens ein paar Nächte noch. Bis ein anderer schneller ist. Oder er vertrieben wird. Im Franziskustreff findet er – zumindest morgens – ein bisschen Ruhe und Zeit zum Nachdenken. Er fragt sich, ob die Kraft wieder reicht, noch mal durchzukommen … Es ist dunkel: Wenn er seine Isomatte ausrollt. Und wenn er aufwacht. Er seinen Atem sieht im Schein der Laternen. Und sich klamm auf den Weg zur Liebfrauenkirche macht. Mit dem verschlissenen Riesenbeutel über den Schultern. Darin ist sein ganzes Leben. „Das macht mich jedes Jahr mehr fertig. Ich werd’ ja auch nicht jünger. Aber, wenn ich diesen gelben Schimmer von den Fenstern am Treff sehe, bin ich erstmal gerettet“, sagt G.

Wie ein Licht am Ende der Straße

Weihnachten macht ihn traurig. Überall dieser Schmuck in den Schaufenstern: Dann bekommt er Sehnsucht. Nach etwas Glück und Frieden. Schon der Gedanke an den freundlichen Schein im Speiseraum muntert ihn etwas auf. Was Advent ist, was Gemütlichkeit ist: Das weiß er noch, von früher. Bevor ihm das Leben kaputt ging. Auch wenn es schon ewig her ist. Dass er es nicht vergisst, hat auch mit dem Franziskustreff zu tun. Den Schmuck dort, den mag er gern. Der ist nicht für Verkaufstrallala. Sondern für ihn und die anderen. Denen es nicht so gut geht. Er hat Zeit gebraucht, das genießen zu können. Dieser Kontrast: Hier ständig Dreck, Kälte und Finsternis um ihn. Dort plötzlich Licht. Wärme. Ein Stück Stollen. Das Lächeln von der Dame, die ihm den Kaffee einschenkt, gemütlich sitzend an einem Tisch.

Ein Licht. Ein Lächeln. Ein Platz im Warmen.

„Ich schaff den Winter diesmal auch. Wenn ich es weiter schaffe, oft in den Franziskustreff zu kommen!“ G. glaubt daran. Er glaubt wieder an sich. Will zur Sozialberatung gehen. „Ich weiß zwar nicht, wo ich anfangen soll. Alles Chaos. Aber mit den Leuten dort, kann man gut reden.“ Er wird es probieren. Die Hilfe annehmen. Dass Leute dafür spenden, findet er unfassbar. Unfassbar nett. Und manchmal stellt er sich solche lieben Menschen vor, die geben: ihm und den anderen. Das berührt ihn sehr. Ist wie ein Strahlen.


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